Die (Selbst)Natürlichen

nach Diderot

Zwischen dem Schauspiel „Der natürliche Sohn“ von Denis Diderot und dem Anderen

(Akteure: Felicitas Erben, Anuschka Jokisch, Tim Josefski, Philipp Nerlich und Karsten Zahn | Regie: Rico Dietzmeyer | Dramaturgie: Sina Neueder | Regieassistenz: Anja Schoenwald | Musik: Till Kratschmer | Bühne: Tim Döhler | Ausstattung: Julia Kragh | Kostüme: Henrike K. Fischer | Konzeptzeichnung: Lukas Schletter)

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena 2016“

»Sie sind von Gespenstern umringt und ich bin darüber gar nicht erstaunt.
Die Geschichte des Lebens ist launenhaft.
Die Geschichte des Todes ist dunkel.
Und die Ursache des Übels in der Welt scheint so klar.
Die Torheit der Menschen ist mir ein Grauen.
Welche Menge ungeheurer Wesen, deren Schöpfer und Opfer sie zugleich sind.
Erschlagen vom eigenen Selbst. Das innere Wesen – welch ein Monster.«
Der Spinner

Dorval, der tugendhaft Falsche,
Clairville, der emotional Brutale,
Theresia, die souverän Einsame,
Rosalia, die unschuldig Furiose,

– immerfort auf der Suche nach dem eigenen Selbst, verlieren die vier schon bald Zeit und Faden aus den Augen. Dabei liebt er sie doch – und sie liebt ihn. Aber was soll man machen? Er will sie ja auch – und sie will ja auch ihn. Scharaden der Stutenbissigkeit und Balladen brüderlicher Herzenswärme. In Spiralen laufen sie um das Glashaus, das sie ihr Leben nennen, verstricken sich bald in der Leere ihrer Worte und vergehen in der schwarzen Hysterie, die alltäglichen Werte aufrecht zu erhalten – ein Sisyphusspiel der Intrigenarbeit. Und der witzsüchtige Spinner, der heimlich die Strippen zieht, kommt dabei voll auf seine Kosten. Am Ende steht die Frage: Was ist natürlich, wenn eine Leiche ein Auge zukneift?

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Das Stück basiert auf D. Diderots Schauspiel »Der natürliche Sohn«, mit dem er sein Theater der naturalistischen Darstellung begründete und das erste Mal die »Vierte Wand« hochzog. Die (Selbst)Natürlichen brechen dabei aus dem Leib des natürlichen Sohnes heraus und krempeln diesen um. Alles dreht sich um die Verkehrung der Verhältnisse der realen, der natürlichen Welt und die Panik, diese plötzlich zu verlieren – ein Fest des Spinnens.

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Eintrittspreise: 10,00 € | 6,00 € (ermäßigt)