Don Q – Fragmente einer Rittergeschichte

Ein Spiel mit Masken und Figuren nach Cervantes und Bulgakow

Nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2016.

Auf einem Holzpferd fliegt es sich leicht durch hohe Mondgebirge oder entlang des silbernen Flusses, in dem man die schönsten Elsen von der Welt fängt. In abgelegenen Tälern tänzeln Don Quixote und Sancho Panza gemeinsam durch die Nacht, über Äquatoren und andere Linien jenseits des „Määähres“, vorbei an der einen Insel, nach der wir uns alle sehnen. So höret das Schmettern der Trompeten, das Splittern der Lanze. Es schwingt das Klagelied, denn noch ist nicht aller Schlachten Abend. Das wird ein trefflicher Krieg werden! Zwischen Grafschaft und Bratwurst, Tugend und Butterkuchen machen sich zwei auf, Menschen von Hammeln zu unterscheiden, Riesen die Stirn zu bieten und mit dem Teufel zu spielen. Doch keine Angst – wo Musik ist, da kann nichts Böses sein. Oder?

Wenn Anselm Vollprecht mit den Tasten klimpert, schwingen Julia Hagen, Philipp Nerlich und David Wolfrum die Hufe. Voran wie ein Blitzstrahl geht es mit Objekten und Masken, fliegenden Schatten und wandernden Lichtern in die staubigen (Klang-)Weiten der Mancha. Wo noch echte Ritter für die Ehre kämpfen und Liebe zum Traum wird. Zwischen Bulgakows Bearbeitung und dem spanischen Klassiker begeben sich in Don Q Figuren und Spieler, Götter und kleine Seelen, Stimmen und Musiker gemeinsam auf die Reise. Und sie kehren in jedem Falle zurück, lebendig oder tot.


Es spielen: Julia Hagen, Philipp Nerlich & David Wolfrum |  Musik: Anselm Vollprecht |  Regie: Rico Dietzmeyer |  Maskenbau: Franziska Schubert |  Ausstattung: Lisa-Marie Totzke


Steffen Georgi | LVZ| 13.05.2016: „Von der Anmutung her, inklusive Figurenspiel, Kostümierung und passend grob jahrmarkthaft verfügtem Bühnenbild (Ausstattung: Lisa-Marie Totzke) ist das stimmig. Ebenso die Sounds zwischen liedhaftem Athmosphärenverdichter und ironisierendem Kommentar (Musik: Till Kratschmer/Anselm Vollprecht), für die auf der Bühne Kratschmer live am Keyboard sorgt.“

Tobias Prüwer | kreuzer | Juni 2016: „Bemerkenswert sind der Einsatz der schick gearbeiteten Masken und Figuren sowie ihre gute Führung. Trotz der Requisitenvielfalt ist nichts überflüssig, hat alles seine Funktion. Der ungewöhnliche Mix aus Puppen- und Sprechtheater wird so zur ansehnlich wilden Jagd nach Chimären, Windmühlenflügeln und Bratwürsten.“


Rico Dietzmeyer, studiert Theaterwissenschaft im Master an der Uni Leipzig. Sein künstlerischer Werdegang führte ihn vom narrativen Film – Gründung des Independent Film Labels Balian Films und Produktion mehrerer Kurzfilme seit 2007 – über verschiedene Stationen zur Theaterpraxis und -wissenschaft. Von Juli 2013 bis Oktober 2014 leitete er ein studentisches Theaterlaboratorium des Instituts für Theaterwissenschaft. Als Regieassistent und Produktionsleiter betreute er mehrere Produktionen der Cammerspiele Leipzig, darunter „Gotham City“ (Kricheldorf, 2014) und „Der Geizkragen“ (Moliére, 2014). 2014 inszenierte er an den Cammerspielen die Diderot-Bearbeitung „Die (Selbst)Natürlichen“ (Dietzmeyer/Neueder nach Diderot), die mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“ ausgezeichnet wurde. Die Voltaire-Bearbeitung „Candide oder Die letzte aller möglichen Welten“ (Dietzmeyer/Neueder nach Voltaire) und „DON Q – Fragmente einer Rittergeschichte“ (2016) wurden für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2016 und 2017 nominiert. Rico Dietzmeyer, Franziska Schubert und Philipp Nerlich gründeten an den Cammerspielen 2016 die Compania Sincara, ein Theaterkollektiv mit Basis in Leipzig.