Don Q

Ein Spiel mit Masken und Figuren
nach Cervantes und Bulgakow | von Compania Sincara

Nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2016.

Lanzen werden gebrochen, Gesichter werden verzerrt, Pferde werden gesattelt, Kuchen werden gebuttert, Tode werden gestorben, Ideale sind ausgeträumt.

In einer Zeit, in der Visionäre mit postfaktischen Theorien und alternativen Realitäten ihre Anhänger um sich scharen, in einer Zeit also, in der einfache Menschen sich zu Helden aufschwingen, um Strömen und Wellen die Stirn zu bieten, sich Inseln der Sicherheit bauen, in einer Zeit, in der Begegnungen mit Tod und Teufel hinter jeder Ecke lauern können und das Abendland sich rüstet, in dieser Zeit also, in der Täuschungen und Irrglaube reale Konsequenzen nach sich ziehen, in der Völker für Tiere gehalten werden, in einer Zeit, in der wahre Liebe nur in heiß erträumten Tango-Nächten noch Wirklichkeit wird und sonst so fern erscheint, in dieser Zeit, freilich die Zeit der Bauern und Ritter, in dieser Zeit – war anscheinend alles gar nicht so weit weg vom Heute.

Die Bühne ist ein Ort für Träumer und echte Realisten – im besten Falle teilen sie sich diese Bretter, die so viele Welten bedeuten. Das ungleiche Figurenpaar Don Quixote und Sancho Panza zeigen uns, wie wichtig das Streiten und der Austausch sind und dass Stehenbleiben keine Alternative sein kann, wenn Fronten sich verhärten. Kommt in Bewegung!

Warum fliegende Holzpferde und maskierte Gesichter, Klagelieder, Butterkuchen und die spanische Mancha etwas über uns und gegenwärtige Irrläufer erzählen und vor allem, weshalb die Meinung eines guten Freundes Rettung bedeuten kann, selbst, wenn er in einer anderen Welt zu leben scheint – das zeigt DON Q so lebendig wie nie.

Ein Plädoyer für das Paradoxe, eine gebrochene Lanze für den Dialog jenseits von Gut und Böse, jenseits von Leben und Tod.


Es spielen: Rico Dietzmeyer, Felicitas Erben, Eric Schellenberger | Musik: Anselm Vollprecht | Regie & Scenario: Rico Dietzmeyer | Szenographie & Masken: Franziska E. Schubert | Bühne & Objekte: Lisa-Maria Totzke | Produktionsleitung & Licht: Christoph Püngel


Eine Produktion von Compania Sincara und Cammerspiele Leipzig. Nominiert für den Fritz-Wortelmann-Preis 2017, Hauptpreis beim internationalen Theaterfestival „Prograss Sopron 2017“ in Sopron, Ungarn, Preis für die beste Inszenierung beim Internationalen Theaterfestival „Ljubitelivõ 2017“ in Sillamäe, Estland und nominiert für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2016.


Steffen Georgi | LVZ| 13.05.2016: „Von der Anmutung her, inklusive Figurenspiel, Kostümierung und passend grob jahrmarkthaft verfügtem Bühnenbild (Ausstattung: Lisa-Marie Totzke) ist das stimmig. Ebenso die Sounds zwischen liedhaftem Athmosphärenverdichter und ironisierendem Kommentar (Musik: Till Kratschmer/Anselm Vollprecht), für die auf der Bühne Kratschmer live am Keyboard sorgt.“


Tobias Prüwer | kreuzer | Juni 2016: „Bemerkenswert sind der Einsatz der schick gearbeiteten Masken und Figuren sowie ihre gute Führung. Trotz der Requisitenvielfalt ist nichts überflüssig, hat alles seine Funktion. Der ungewöhnliche Mix aus Puppen- und Sprechtheater wird so zur ansehnlich wilden Jagd nach Chimären, Windmühlenflügeln und Bratwürsten.“


Compania Sincara ist ein 2016 gegründetes Theaterkollektiv mit Basis in Leipzig. Der Name Sincara (von spanisch sin cara, »ohne Gesicht«) spielt auf die besondere Theaterarbeit mit Masken und Figuren an, durch die sich die Compagnie auszeichnet.
Gesicht verlieren, um Gesicht zu zeigen: Mit diesem Bild und ihrer besonderen Spielweise machte sich Compania Sincara in der Leipziger Theaterszene einen Namen. Mittlerweile spielen sie über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus und touren durch Europa. Das Spiel mit Masken ermöglicht, individuell Gesicht zu »verlieren«, die eigene Individualität zurück-zunehmen, um kollektiv Gesicht zu »zeigen«, in größeren Zusammenhängen aufzugehen.