Fette Männer im Rock (Nicky Silver)

Eine Produktion von „Von und Über“ in Zusammenarbeit mit Werkstattmacher e.V. und LOFFT.Leipzig

Eine Produktion von Von und Über. in Zusammenarbeit mit Werkstattmacher e.V. und LOFFT.Leipzig.

(Regie/Bühne: Lisa Günther | Kostüm: Liese Endler | Assistenz: Christin Rakete | Dramaturgie: Alexandra Hennig | Spiel: Tim Josefski, Caroline Kaiser, Christopher-Fares Köhler, Julia Pohl)

„Denn ich bin, was ich erschaffe.“

Eine Familie. Vater Howard investiert in Affären. Mutter Phyllis lässt den Frust ihrer gescheiterten Ehe an Sohn Bishop aus. So verlebt die Quasi-Familie ihre Tage, bis ein Unglück geschieht: Auf einer Reise stürzen Mutter und Kind mit einem Flugzeug ab und finden sich als einzige Überlebende auf einer einsamen Insel wieder. Fünf Jahre lang entwickelt sich ein Verhältnis, geprägt von Unterwürfigkeit und Dominanz, das die Mutter-Kind-Beziehung auslöscht. Ihre Liebe ist mächtig, animalisch, wie die einsame Insel auf der sie ausharren. Bis sie in die Zivilisation zurückkehren…

Zwei Figuren fallen für ganze fünf Jahre aus der Gesellschaft, sind isoliert, erschaffen ihren eigenen Kosmos der keine Moral kennt, bis sie mit der Wirklichkeit konfrontiert werden. Aber was ist moralisch? Und was passiert, wenn die Produkte der Gesellschaft, die Menschen hinter den Fassaden, sich gegen sie stellen, und nach eigenen Gesetzen handeln? Ein Mensch, unter der hauchdünnen Schicht Zivilisation, die ihren eigenen Konventionen zum Opfer fällt.

LeipzigAlmanach (Mathilde Lehmann): Die Szenencollage ist von Brüchen durchsetzt – jeder kommt zum Erzählen, jeder darf seiner Figur Ecken, Substanz und Tiefe verleihen. Dieses Konzept zahlt sich aus. Die Bilder sind stark, trotz des sehr überschaubaren Raumes, die Musikauswahl vom Feinsten, und die Geschichte fordert den Zuschauer zwar auch intellektuell – doch hin und wieder vergesse ich mich, in einem Schattenspiel, einem Song, einer Bewegung. Es ist schön, wenn eine eigentliche Herausforderung namens mangelndem Spielraum zu einer solchen Tugend umgearbeitet wird. Am Ende werden alle losen Enden noch einmal gebündelt. Die Geschichte, die am Anfang beinahe überkomplex anmutete, ist im Grunde ganz leicht. Nachvollziehbar. Und das ist vermutlich das eigentlich Perverse.

Foto: Von und Über

Eine Produktion von „Von und Über“ in Zusammenarbeit mit Werkstattmacher e.V. und LOFFT.Leipzig.
http://werkstatt.lofft.de