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GOTTESANBETERIN

eine theatrale Groteske, inspiriert von einem Insekt | von Noemi Clerc & Rebecca Thoß

VIEL LOS HIER: Das Männchen mit dem größten Geweih, der tiefsten Stimme, der breitesten Brust und den schlausten Tricks gewinnt den Konkurrenzkampf um das begehrte Weibchen, darf sich fortpflanzen YES ERSTER und dann wieder ungestört seiner Wege ziehen TSCHÜSSI MUSS LOS.

Mitten im Getümmel: die Gottesanbeterin. Sie ist von all dem Getue ziemlich unbeeindruckt und verspeist HAPSKNIRSCHSCHMATZ das Männchen direkt bei der Paarung. Der proteinreiche Snack ist nicht nur lecker, sondern sichert ihr und ihren Nachkommen das Überleben (auch für das Männchen aus evolutionsbiologischer Sicht ein klarer Vorteil). Für die Gottesanbeterin stehen ihre eigenen Bedürfnisse an NA KLAR erster Stelle, ganz ohne schlechtes Gewissen.

Junge Frauen lernen recht zügig ein gesellschaftliches Skript, wie sie in patriarchalen Strukturen am besten gefallen. Wie sie zum Beispiel in heteronormativen Beziehungen das scheinbar naturgegebene männliche Anrecht auf Erfüllung sexueller Bedürfnisse befriedigen. Was sie meistens nicht lernen ist, sich mit ihrem eigenen Begehren und ihrer Lust auseinanderzusetzen und eine Sprache dafür zu finden.

Ausgehend von Georges Batailles Philosophie der sakralen Erotik setzt sich die Inszenierung mit der brachialen Kraft weiblicher Sexualität auseinander und hinterfragt auf spielerische Art mit einem offenen, kontroversen Blick herkömmliche, längst überholte Narrative. Altersempfehlung ab 16 Jahren.


Erarbeitung und Spiel: Noemi Clerc & Rebecca Thoß | Cello: Luisa Mohr


Noemi Clerc und Rebecca Thoß haben im selben Jahrgang an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Schauspiel studiert und als Team in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammen künstlerisch gearbeitet. Ihre letzte gemeinsame Theaterarbeit, ein interdisziplinäres Musiktheaterstück mit dem Titel wachsig, gewann bei der Preisverleihung des Freisprung-Theaterfestivals 2021 den 1. Preis.