Großstadtschamanen

performative Stückentwicklung


performative Stückentwicklung

(Es spielen: Jakob Matz, Nicole Hitziger, Nina Heinke, Svenja Pauleck | Assistenz: Annina Krause | Spielleitung: Larsen Sechert)

„Je mehr wir diese Wildheit, die in den Zeiten zwischen den Zeiten bei uns hereinbrach, ausgemustert haben, je mehr wir sie als neurotisch, archaisch und „gegenaufklärerisch“ aus unserer Umgebung ausgestoßen haben, desto mehr taucht sie im Zentrum unserer Kultur wieder auf. Sie schleicht sich über die Kellertreppe in unser Wohnzimmer, und auf einmal wird aus dem liebenden Schriftsteller ein Jack Nicholson der seine Familie, Kinder und den Hausmeister zu Spare-Ribs verarbeiten will.“
Internet, email hidden; JavaScript is required: „Warum die Hühner sich nach wildem Sex sehnen“

„In anderen Worten: es gibt keine Flucht vor dem Anderen, dem Draußen, vor Hexen, Werwölfen und vor dem Wahnsinn. Sehen wir ihnen nicht irgendwann ins Gesicht, dann hämmern sie nachts an die Kellertür und hocken schließlich auf dem Nachttisch.“
H. P. Duerr

Eine Gruppe StudentInnen untersucht in einem selbst initiierten Schamanenseminar, inwiefern sich Anderswelterfahrungen auf die geistige Gesundheit auswirken. Dabei nehmen sie die Praktiken alter Schamanen zum Vorbild und lassen die Teilnehmer Kraftplätze suchen, Schwitzhütten absolvieren und psychotrope Pflanzen konsumieren. Im Laufe des Experiments verschwimmen die Welten mehr und mehr. Die Realität hält Einzug in den Träumen der Studenten und die Grenzen der Wirklichkeit lösen sich zunehmend auf.

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Was bedeutet Schamanismus im heutigen, modernen Leben? Ist diese archaische Form des Glaubens und Heilens im digitalen Zeitalter überhaupt möglich? Verfolgen organisierte Schamanen-Wochenenden, Schwitzhütten und dergleichen Workshops lediglich kommerzielle Interessen oder geht es hier um die Suche nach einem natürlichen, archaischen Dasein, der Glückseligkeit verheißt? Spätestens seit den 60er Jahren wurde der Begriff Schamanismus und dem damit assoziierten Konsum von bewusstseinsverändernden Substanzen, der Kontaktaufnahme von außerweltlichen Wesen, dem Kennenlernen alternativer Heilpraktiken und der Suche nach innerer Freiheit zur Modeerscheinung, die bis heute anhält. Die Vorzeichen haben sich lediglich leicht verändert.

Die Suche vieler moderner Menschen nach alternativen Lebensweisen und Geisteshaltungen zeugt von einer Sehnsucht nach einem archaischen Verbunden sein mit der Umwelt und der Natur. Und nicht alle Angebote, die diese Sehnsucht zu stillen versprechen, sind Fallen kommerzieller Interessen. Wo der Missbrauch dieser Angebote beginnt und woher diese Sehnsucht rührt, sind Fragen mit denen wir uns in diesem Theaterprojekt auseinandersetzen und die wir verhandeln. – Vor geraumer Zeit war auch das Theaterspiel eine Praktik des Schamanismus.

Spielleitung:
Larsen Sechert, M.A. Theaterwissenschaft/Literatur/Soziologie, staatlich anerkannter Schauspieler für Clown und Comedy, div. Fortbildungen im Bereich Theater und Psychologie, seit 2003 freier Schauspieler und Spielleiter, arbeitet mit Patienten der Forensischen Psychiatrie St. Georg und mit Geistig Behinderten des Akazienhofes Halle, zahlreiche Theaterprojekte als Regisseur und Schauspieler im In- und Ausland.

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Eintrittspreise: 10,00 € | 6,00 € (ermäßigt)