Hedda Gabler

von Henrik Ibsen

Nicht viele literarische Figuren sind durchgehend so unsympathisch wie Hedda Gabler. Die Hauptfigur in Ibsens gleichnamigem Stück ist perfide, rücksichtslos und manipulativ. Sie zerstört die Menschen und Beziehungen in ihrem Umfeld, wo sie nur kann. Ihr Motiv? Langeweile.

Die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrollieren, regulieren und deformieren, finden sich heute in fast unveränderter Weise wieder – nun aber gleichermaßen in allen Schichten der Gesellschaft. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden. Wertschätzung und Miteinander sind heutzutage Worthülsen, die mit dem Attribut Gutmenschentum verlacht werden. Wer in unseren Tagen etwas gelten will, der tritt nach unten und klammert sich an die nächsthöhere Sprosse der sozialen Leiter.

Die Zeit ist wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer zynisch abgeklärten, einer aggressiv gelangweilten, einer an ihrer Feigheit fast erstickenden Hedda Gabler. Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, mit der sich ihre Mitmenschen in Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt.


Es spielen: Damian Reuter, Didi Voigt, Emma Siegel, Fabian Reichenbach, Hans Klingner, Natalie Tepper | Regie: Falko Köpp | Dramaturgie: Christoph Awe | Ausstattung: Cindy Vollrodt | Assistenz: Lisa Schulze


Anna Hoffmeister | mephisto 97.6 | 04.03.2019: „Durch kleine Details gelingt es Falko Köpp in dieser Inszenierung, den Bezug zur Gegenwart herzustellen und das Stück auf elegante Weise zu modernisieren. … Insgesamt eine schauspielerisch ideenreiche Inszenierung, die einen Besuch wert ist.“


Falko Köpp arbeitet als freier Schauspieler und Regisseur in Leipzig. Hedda Gabler ist seine erste Regiearbeit an den Cammerspielen. Mit il comico hat er „Eva und Adam“, inszeniert, am Theatrium Leipzig verschiedene Projekte wie „Die Weiße Rose“ „Die lange lange Straße lang“ und „the breakdown of the beautiful city of neurosia“ realisiert, mit Miss Mandy Cleenex hat er Else Buschheuers Roman „Ruf mich an!“ uraufgeführt und bei verschiedenen Inszenierungen von Adolf Südknecht und Theater Light in Leipzig als Dramaturg oder Regieassistent mitgewirkt.


Christoph Awe arbeitet als freier Kulturmanager und Theatermacher in Leipzig. An den Cammerspielen war er an den Produktionen „Einsame Menschen“ (Regie: Danilo Riedl), „tacet oder Der Klang des Schweigens“ (Regie: Marlen Riedel) und „I would prefer not to“ (Regie: Christian Hanisch) als Dramaturg beteiligt. Im November 2017 war der zusammen mit Swen Lasse Awe und Jessica Pollnau konzipierte Abend „TROSTLOSE SCHNAUZEN. BORCHERT IN STÜCKEN“ in den Cammerspielen zu sehen. Zuletzt führte er, gemeinsam mit Maria Weiße, bei „HOTZE. Die Weihnachtsgesellschaft.“ erstmals Regie in den Cammerspielen.

Gefördert durch das Studentwerk der Universität Leipzig

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