~ The Waves

Audiotheater nach dem Roman von Virginia Woolf

„I am not one and simple but complex and many.”

Bleibt jede Verlinkung für immer an uns haften? Warum kreieren wir zu all unseren Gefühlen und Dingen einen digitalen Schatten?

Wie durch ein Portal betreten sechs Figuren aus Woolfs experimentellem Roman „The Waves“ ihre hörbar gemachten Gedankenwelten und geben Einblick in ihre Kommentare und Beobachtungen. Die Freunde Bernard, Neville und Louis, Susan, Jinny und Rhoda versuchen über ihre Lebensspanne hinweg mit sich und ihrer Realität zurechtzukommen. Der plötzliche Tod ihres angehimmelten Freundes Percival erschüttert sie und doch kreisen sie immer wieder um ihre alten Bilder und Erfahrungen, die ständig in der Gegenwart mitklingen. Alle gleichermaßen suchend, ehrlich und analytisch äußern sie sich zu einem #ausländischen Akzent, #vergoldeten Stühlen, einem #Notizbuch, #zusammengeknüllten Taschentüchern, den #Gesichtern der Anderen und dem #Wunsch lieber geliebt zu werden, „als der Perfektion durch den Sand zu folgen“.

Das Audiotheater von Gwen Kyrg lässt die Stimmen der stummen Figuren auftreten, verdichtet deren Chor zu Bewegungsgeflechten und lässt den Zuschauer in die Gedankenströme der Figuren und Woolfs Bilder eintauchen. Das Prinzip „Verlinkung“ verselbstständigt sich im Bühnengeschehen. Ein Spiel mit dem Romantext, in dem englische Originalpassagen und lyrische Bearbeitungen auf Songs aus Textcollagen treffen. Ein Buch-Trip in Zeitlupe. „The door goes on opening“.

Mit freundlicher Unterstützung der SAE.


Es spielen: Annika Gerber, Olav Amende, Carina Sperk, Marvin Neidhardt, Eva Jaekel, Markus Braun | Regie: Gwen Kyrg | Regieassistenz: Maxie Pfannkuchen | Hospitanz: Kristina Haberland | Dramaturgie: Valérie Plagemann | Bühnenbild: Sven Glatzmaier | Bearbeitung Interludien frei nach Woolf: Ulrike Feibig | Musik: Gwen Kyrg & Sven Glatzmaier | Produktionsassistenz: Tina Müller


Josephine Heinze | Leipziger Volkszeitung | 26./27.11.2016: „Experimentell wie die Romanvorlage ist auch Kyrgs Inszenierung. Statt einer zusammenhängenden Geschichte erschaffen die Spieler eine Collage aus Bildern, Gedanken, Phrasen, Bewegungen, bei der jeder seine Spuren hinterlässt. Und mit klaren Bildern und starkem Spiel prägt das Ensemble eine ganz eigene Atmosphäre, die einen wehmütig und gleichzeitig wohlig zurücklässt.“


Philipp Hartmann | kreuzer | Januar 2017: „Was an äußerer Handlung da ist … wird nur angedeutet. Gerade dadurch ist die Tragik jedes Lebenslaufs spürbar … . Dies wird auch im wunderbaren Bühnenbild aufgegriffen, das sich ständig fortpflanzt und verdichtet, so dass die Bewegungen im Raum zusehends umständlicher werden … . Höhepunkt sind die aus englischen Textstellen montierten Songs: Minimalistisch und kraftvoll fluten sie den Raum und frieren einzelne Augenblicke ein, als könnten sie doch der Vergänglichkeit entrissen werden. Ein schöner, melancholischer und nicht zuletzt erfrischend zeitgemäßer Abend.“


Lisa-Gwendolin Eichberger alias Gwen Kyrg ist Sängerin, Pianistin, Songwriterin und Mime/Schauspielerin. Nach abgeschlossenem Diplomstudium im Fach Jazz/Pop Gesang 2011 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln begann die künstlerische Erweiterung zum Theater. 2013 spielte sie das interdisziplinäre Solostück „ALICE´S DINNERPARTY“ (Produktion: raum13 / Anja Kolacek & Marc Leßle) im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste (Köln), für das sie auch Bühnenmusik gestaltete und an der Seite von u.a. Hans-Joachim Irmler (Faust), FM Einheit (Einstürzende Neubauten) auftrat.
2015 war sie Gastmusikerin bei der raum 13 Produktion „Schönheit der Vergänglichkeit #3-#1_Das Werk“, die für den Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater nominiert wurde und wirkte im Musik-Bewegungs-Stück „running up that Wahrheitsberg“ (Regie: Stephan Wagner/Josefine Mühle, Cammerspiele Leipzig) mit (Bühnenmusik und Performance). 2015-2016 schloss sie die Intensivausbildung „mime corporel dramatique“ (Physical Theatre) am Atelier des Mimes (Berlin) bei Oliver Pollak ab und trat bei den Produktionen „Glück“ und „enter tame me“ im Theaterforum Kreuzberg als Mime und Sängerin auf.
Eigenes Projekt ist die Leipziger Reihe für Improvisation mit Musik und Medien der Bildenden Kunst Audio Experiment #17-20, die sie gemeinsam mit Sven Glatzmaier und Verónica Mayo künstlerisch leitet und bei der sie als Sängerin auftritt. |
gwenkyrg.de // audioexperiment.tumblr.com