Dolores schrei(b)t
eine szenische Lesung nach Lea Ruckpauls Roman Bye Bye Lolita | LabBOX
PREMIERE: 05. Juni 2026
“Lolita. Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden.” So beginnt Nabokovs Roman Lolita (1955). Von Stanley Kubricks Verfilmung über Tumblr-Subkultur bis Lana del Rey wird Humbert Humberts Erzählung weltweit als tragische und verbotene Liebesgeschichte rezipiert. Einer der “großen Liebesromane der modernen Weltliteratur”. Wirklich?
In Nabokovs Roman protokolliert der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert über Hunderte von Seiten in seinem Taschenkalender seine Obsession für die “grazile kindhafte Nymphe” , die ihn verführt hat und die er schließlich als Stiefvater auf einen Roadtrip entführt und zu seiner “Geliebten” macht. Wer dabei nicht zu Wort kommt? Dolores selbst – von ihm “Lolita” genannt.
Genau dort setzt Lea Ruckpauls Roman “Bye Bye Lolita” an: Dolores schreibt von der hintersten Seite des Taschenkalenders aus ihre eigene Geschichte. Sie erzählt schmerzhaft von ihrer Kindheit, der sexualisierten Gewalt durch Humbert Humbert und deren Auswirkungen bis in ihre Gegenwart. Überschreibend holt sie sich die Deutungshoheit zurück und erhebt Anklage gegen Humbert Humbert, die ihr auferlegte Rolle und das Patriarchat.
In dieser szenischen Lesung basierend auf Ruckpauls Roman folgen wir Dolores´Stimme: Mit ihr fragen wir nach Macht im Erzählen und im Erleben. Wir verfolgen die Nabokov-Rezeption von Buchcovern über Internetkultur bis in Songlyrics und zerschlagen den patriarchalen Deutungsrahmen, stoßen an seine Grenzen. Wir fragen: Was hat das mit unserer Gegenwart zu tun? Und merken: Dolores war nie allein.
Schauspiel: Marleen Müller | Konzept & Regie: Jette Drewanz & Maria Păcurariu | Musik: Vico Rosenberg | Produktionsassistenz: Ella Edelmann
Jette Drewanz absolvierte in der Spielzeit 2023/24 einen Bundesfreiwilligendienst als Produktions- und Dramaturgiehospitantin am Theater Chemnitz. Seit Oktober 2024 studiert sie Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Im Sommer 2025 folgte eine Dramaturgiehospitanz bei der Produktion Endstation Sehnsucht am Theater Heilbronn, sowie die Mitarbeit an der kollektiven Stückentwicklung Are the Kids Alright? im Rahmen einer Residency am NSU-Dokumentationszentrum Offener Prozess Chemnitz.
Maria Păcurariu studiert(e) Psychologie, Philosophie, Politikwissenschaften und Literarisches Schreiben in Leipzig und Berlin. Sie arbeitete als freie Journalistin und schreibt Lyrik, Prosa und szenische Texte – dabei beschäftigen sie unter anderem Ausnahmezustände, Glaube und Feminismus. 2024 war sie Stadtschreiberin für das Kulturwerk Berlin. Texte und Poesiefilm erschienen beispielsweise im HECKMAG, bei lyrix, in der Tippgemeinschaft und auf dem Blog des Kulturwerks Berlin.
Ella Edelmann stand schon in der Grundschule zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. Seitdem hat sie die Begeisterung für performative Kunst nicht mehr losgelassen. Im Sommer absolvierte sie am Deutschen Nationaltheater in Weimar eine Regiehospitanz und begleitete die Inszenierung von Goethes bürgerlichem Trauerspiel „Stella“. Sie studiert Philosophie und Germanistik in Leipzig.
Marleen Müller ist Schauspielerin. Mit 14 Jahren stand sie das erste Mal im Theater Nordhausen auf der Bühne. Sie lernte 2020-2024 an der Schauspielschule Kassel. Seit ihrem Schauspielabschluss lebt sie in Leipzig und spielt verschiedene Stücke im TheaterPack, in den Cammerspielen und am Theater der jungen Welt.
Vico Rosenberg ist Musiker, Sounddesigner und interdisziplinärer Medienkünstler aus Leipzig. Nach einem Studium in Musik und Kunst an der Universität Oldenburg studiert er nun Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Seine musikalische Arbeit ist dynamisch und intim zugleich – sie verbindet elektronische und samplebasierte Klänge mit Instrumentalspiel. Er hat Kurzfilme realisiert, als Musiker an einer Produktion des Oldenburgischen Staatstheaters mitgewirkt und seine Arbeiten u.a. in der Kunsthalle Bremen ausgestellt. In seiner Kunst fragt er nach dem, was zwischen Körpern, Identität und Bildschirmen passiert – nach Gender und Körper, mentaler Gesundheit sowie sozialen Gefügen im digitalen Zeitalter.
Der Roman ist 2024 bei Voland & Quist erschienen.
Die LabBOX ist die Cammerspiele-Reihe zum theatralen Experimentieren.