Alte Dame
Tragikomödie für eine Schauspielerin | von Olav Amende
PREMIERE: 28. Mai 2026
eine alte dame wurde unbequem / hat gehörigen mist gebaut / hat sich das leben versaut / ihr wolltet sie verbannen / nun ist sie hier / im knast.
Eine alternde Frau blickt auf ein Leben zunehmender Vereinsamung zurück. Irgendwann entschließt sie sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie begeht so lange Delikte, bis sie im Gefängnis landet. Hier findet sie zu ihrer eigenen Sprache; hier verjüngt sie sich selbst.
Alte Dame bringt die Selbstermächtigung einer schon aufgegebenen Frau mit minimalistischen Mitteln auf die Bühne. Eine Schauspielerin, die nicht künstlich auf „alt“ geschminkt ist, steht in einem fast leeren, zeit- und ortlosen Raum. Im Zentrum der Inszenierung steht die rhythmisch-musikalische Sprache. Indem sie spricht, löst sich die Alte Dame aus der Zuschreibung, bloßes Objekt zu sein, und findet auf tragikomische Weise zu einem neuen Ich.
Schauspiel: Annika Gerber | Text & Regie: Olav Amende | Sound: Simon Geuchen | Produktionsassistenz: Helen Habel | Outside Eye: Jascha Riesselmann
Am 30. Mai bieten wir im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch an.
Annika Gerber, geboren 1992 in Worms, ist Schauspielerin und Performancekünstlerin in Stuttgart. 2015-2021 war sie in der freien Szene in Leipzig, vor allem in Inszenierungen von Olav Amende (Das Versprechen/Im Arrest/Die Geliebte Stimme, Sie) zu sehen. Nach Abschluss der Schauspielausbildung 2020 folgte ein Engagement am Theater Osnabrück (2022-2025), wo sie gemeinsam mit Rebecca Riegel eine eigene Performance über die jüdische Malerin Felka Platek entwickelte. Im Dezember 2025 zeigte sie mit Jasmin Schädler ihre gemeinsame Eigenarbeit Kehrmaschine – Eine Bewegungsstudie über Ordnung in der Kulturinsel, die durch die FTTS gefördert wurde. Im Februar 2026 gestaltete sie einen Abend über vom Nationalsozialismus verfolgte Künstlerinnen, der bewusst eine weibliche jüdische Perspektive in den Fokus rückt und dabei verbliebene Leerstellen beleuchtet.
Olav Amende ist Schriftsteller, Regisseur und Performancekünstler. Er hat Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig studiert. Er schreibt und inszeniert Theaterstücke u. a. für die Cammerspiele (15, Das Versprechen, Woyzeck, SIE), das Neue Schauspiel (Die Parallele, Im Arrest), die Schaubühne Lindenfels (Die Geliebte Stimme), die bühne Dresden (Die Ungeliebten) und zuletzt für das Anhaltische Theater Dessau (Führ‘ mich ans Licht!, Zwischen Dingen). Zuletzt erschienen seine Langgedichte abwesenheiten in der parasitenpresse, Flurstück 3587/3588. Gedicht auf ein Haus bei hochroth und erosion in der parasitenpresse. Im Frühjahr 2026 erscheint sein erstes gemeinsames Buch mit Jascha Riesselmann unter dem Titel Gegengefälle bei Trottoir Noir.
Simon Geuchen ist freischaffender Musiker, Komponist und Klangkünstler aus Berlin. Er studierte im Hauptfach Gitarre und spielt darüber hinaus Klavier, E-Bass und Schlagzeug. Seit 2017 komponiert und produziert er Theater-, Film- und Hörspielmusik, unter anderem für die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, das Anhaltische Theater Dessau und das Künstlerkollektiv Thermoboy FK (TD Berlin, Pavillon Hannover, LICHTHOF Theater Hamburg u.a.). Zudem ist er Studio- und Tourmusiker bei Isolation Berlin, mit denen er bereits über 50 Konzerte in Deutschland, Österreich, Schweiz und der Türkei spielte.